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Die SchulBrücke verwirklicht die „Idee Europa“

Im Rahmen der SchulBrücken haben unsere Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, mit gleichaltrigen Jugendlichen aus den verschiedensten europäischen Ländern zusammenzukommen und sich zuallererst menschlich zu begegnen. Im Laufe der Seminarwoche werden angeregte Diskussionen, manchmal auch hitzige Debatten geführt, Probleme angesprochen und einer Lösung zugeführt. Es wird zusammen gelernt, gelacht, um Kompromisse gerungen und nach getaner Arbeit auch gefeiert. Das schweißt zusammen, führt dazu, dass unsere Schülerinnen und Schüler in den nächsten Ferien eben einmal schnell eine SchulBrückenbekanntschaft in Soest, Boxtel oder Stockholm besuchen oder selbst Gastgeber sind. Europa wächst zusammen.

Die SchulBrücke erweitert den geschichtlichen und kulturellen Horizont

Die starke Ausrichtung der SchulBrücke auf eine allgemeine philosophische und kulturelle Dimension weckt in unseren Schülerinnen und Schülern das Verständnis für geschichtliche Abläufe und Zusammenhänge. Sie lernen, ein geschichtliches Ereignis nicht nur für sich zu sehen, sondern in seinen vielfältigen Auswirkungen, die weit über das hinausreichen, was sie erwartet haben. Zugleich erhalten unsere Schülerinnen und Schüler Einblick in die Geschichte anderer europäischer Staaten, die in den nationalgeschichtlich ausgerichteten Lehrplänen kaum Beachtung finden (z.B. die Geschichte des Baltikum, Rumänien, Bulgarien). Dadurch wird ihr mitteleuropäisch geprägtes Geschichtsbild wesentlich erweitert. 

Die SchulBrücke baut Vorurteile ab

Die Nachrichtenflut und der unkritische Medienkonsum führen dazu, dass sich in unseren Köpfen Vorurteile und Stereotypen festigen. Wie oft wird in den Nachrichten Bezug auf rumänische oder albanische Kriminelle genommen, die Einbrüche und Überfälle verüben? Wie schnell schrumpfen diese Vorstellungen in sich zusammen, wenn unsere Schülerinnen und Schüler im Rahmen der SchulBrücke auf rumänische Schülerinnen und Schüler treffen, die so gar nicht dem Klischee entsprechen und mit deren Ansichten sie sich identifizieren können. Und plötzlich ist es da, das Bewusstsein, dass es auch den höflich zuvorkommenden albanischen Kellner gibt, der sich 30 Pizzabestellungen auf einmal merkt, und die rumänische Pflegekraft, die die demente Großmutter liebevoll umsorgt, und ebenso schnell ist auch sie da: die Sehnsucht, das Land, dessen wunderbaren Menschen man soeben begegnet ist, zu bereisen und besser kennen zu lernen. Die SchulBrücke kennt keine Grenzen, auch nicht in den Köpfen. 

Die SchulBrücke beeinflusst die Zukunftsplanung junger Menschen

Das Auslandsjahr an einem englischen College war schon fest zugesagt, und doch hat die Bekanntschaft mit einer niederländischen Schülergruppe, die im Oktober 2017 in Weimar an der SchulBrücke Europa teilgenommen hat, alles verändert. Heute, nach fünf Monaten in Den Haag, spricht unsere Schülerin fließend Niederländisch und berichtet begeistert und mit leuchtenden Augen über das Gastgeberland und die dort lebenden Menschen. 

Sinn- und Lebenskrise während der Studienzeit in Italien; ein Studium, von dem man sich so viel erwartet und erhofft hat, entpuppt sich als Wettkampf um Spitzfindigkeiten. Dass Recht und Gesetze eine Frage der rhetorischen Auslegung sind, will der gerechtigkeitsliebenden Studentin nicht in den Kopf. Aber was jetzt? Wo findet man einen Zufluchtsort, an dem man zu sich selbst finden kann? Es ist nicht die geografische Heimat, die Hilfe bieten kann, sondern Weimar, die SchulBrücke, die EJBW, von wo aus die Lust am Tätigsein und an der Weltverbesserung ihren Anfang nahm. Heute ist die junge Frau mit ihrem Leben zufrieden und studiert in Erfurt Internationale Beziehungen. Die SchulBrücke eröffnet jungen Menschen Perspektiven und lässt sie ihre Bestimmung entdecken.

Die SchulBrücke schafft Vernetzung und Nähe

Das Projekt „SchulBrücke“ soll eingestellt werden, weil ein Großsponsor abgesprungen ist; diese Nachricht erreichte mich passenderweise in der Weihnachtszeit. Inmitten dieses großen Unglücks geschieht dennoch etwas Wunderbares. Plötzlich schreiben sich Lehrer und Schüler, Studierende und Berufsanfänger kreuz und quer durch Europa E-Mails und zerbrechen sich die Köpfe darüber, wie man diese Entwicklung aufhalten kann. Aus dem kleinen Projekt SchulBrücke ist ein Großprojekt geworden, die unsicheren Jugendlichen, die wir in den Seminaren hatten, sind flügge geworden und setzen sich für etwas ein, was ihnen wichtig geworden ist: ein vereintes Europa, das für sie alle- ungeachtet ihrer sozialen Herkunft, ihrer finanziellen Situation, ihrer Weltanschauung und politischen Überzeugung- zur Heimat wird. 

Warum braucht es die SchulBrücke? 

Ich würde die Frage lieber umformulieren: Warum geht es nicht mehr ohne SchulBrücke?

  • weil die SchulBrücke die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer prägt, und zwar im positivsten Sinne
  • weil wir diese junge Menschen, die sich für Europa begeistern, brauchen,
  • weil die SchulBrücke nicht mehr nur ein Projekt, sondern eine Bewegung geworden ist, eine Bewegung für und nicht gegen die Menschen.

Die Idee der SchulBrücke wurde in Deutschland geboren, in einem Land, das sich seiner geschichtlichen Verantwortung stellt und Fehler nicht wiederholen will. Mit den SchulBrücken wurde ein bemerkenswertes Projekt geschaffen, das dieses hehre Vorhaben unterstützt, und ein Funke entzündet, der auf die Herzen vieler europäischer Jugendlicher übergegriffen hat, der ihnen Werte wie Frieden und Völkerverständigung durch Begegnung möglich und begreifbar gemacht hat. Wollen wir gerade in einer Zeit, in der Handelskriege, Chancenungleichheit und Kriegstreiberei unser Menschsein bedrohen, diese Freude und diesen Begeisterungsfunken erlöschen lassen?

Die friedliche Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder sollte uns noch viele SchulBrücken wert sein. 

We have a dream: SchulBrücken 2020 and more

Irene Terzer

Lehrperson am Klassischen Gymnasium und Sprachengymnasium “Beda Weber”, Meran/Italien

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